Wer von Annaberg nach Mitterbach fährt, muss über den Josefsberg. Die kleine Ortschaft auf der Passhöhe (1012 m) gehört zum Gemeindegebiet von Mitterbach, und auch in Josefsberg gab’s früher ein Skigebiet. Seit zehn Jahren aber sind die Liftanlagen (zwei Schlepper, zwei Tellerlifte) nicht mehr in Betrieb, bis auf ein paar Reste wurden sie demontiert, die Pisten wiederum sind zum Teil bereits zugewachsen. Sportlich wird der Berg jetzt eher im Sommer genutzt: Ein Verein hat heuer im Sommer eine Mountainbikestrecke angelegt, die gegen eine kleine Gebühr auch von Nicht-Mitgliedern benutzt werden kann. Den „Skistadl“ beim Parkplatz gibt es noch, statt Germknödel und Gulaschsuppe kommt dort aber nur noch Heu auf den Tisch:

Aus dem Selbstbedienungsrestaurant für hungrige und durstige Wintersportler ist „Alex’s Alpakaranch“ geworden; was früher der Speisesaal war, ist jetzt der Stall.

Betrieben wird die Ranch von Alexandra „Alex“ Sabath, die sich hier wie zu Hause fühlt. Ihre Eltern haben den Skistadl – und am Ende auch die Lifte – betrieben. „Es war total cool, da aufzuwachsen“, sagt die 32-jährige Alex. „Im Winter war ich jeden Tag auf der Piste. Es war so ein schönes Skigebiet!“

Trotzdem: Als die Eltern in Pension gingen und sich die Frage stellte, ob sie das Geschäft übernehmen will, hat sie sich nicht drüber getraut. „Das wären wirklich große Investitionen gewesen. Und auf den Schnee kannst du dich bei uns nicht mehr verlassen.“ Die Eltern haben, gleich neben der kleinen Kirche von Josefsberg, auch einen Bauernhof mit Mutterkuhhaltung betrieben. Den zu übernehmen konnte sich Alex schon eher vorstellen – „aber nicht mit den Kühen“.

Ihre Mutter brachte sie auf die Idee, es stattdessen mit Alpakas zu versuchen. Was für Tiere sind das noch schnell? Alpakas sind zwar bekannt für ihre besonders hochwertige Wolle, aber weder Schafe noch Ziegen, sondern eine mit den Lamas verwandte Kamelart. Wie Lamas kommen Alpakas aus den Anden in Südamerika; wie Lamas spucken auch Alpakas gern, wenn ihnen was nicht passt. Sie sind aber viel kleiner als ihre Artgenossen; ähnlich wie ein Mensch bringt ein ausgewachsenes Alpaka zwischen 50 und 80 Kilo auf die Waage.

Nachdem Mutter und Tochter Sabath bei einem Züchter in Frein an der Mürz einen Alpaka-Einführungskurs absolviert hatten, kauften sie ihm gleich einmal drei trächtige Stuten ab. Fünf Jahre ist das her. Inzwischen ist der Bestand auf 14 Tiere angewachsen, und viel mehr sollen es auch nicht werden.

Alex will alle ihre Alpakas beim Namen rufen und ihre Eigenschaften im Kopf behalten können. „Sie haben sehr unterschiedliche Charaktere. Die eine spinnt, die andere ist total zugänglich. Alpakas sind keine Kuscheltiere, die lassen sich nicht so gern angreifen.“ Grundsätzlich aber seien es sehr angenehme Tiere. „Sie haben so etwas Beruhigendes.“

Bei den Alpaka-Wanderungen, die Alex anbietet, geht sie mit bis zu sechs Gästen auf eine etwa eine Stunde lange Runde durch den Wald, wobei jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein Alpaka an der Leine führt. Im Einsatz sind hier die Hengste, weil die Stuten „ein bissl stur“ sein können. „Mit meine Buam geht das ganz gut, die lassen sich viel gefallen.“ Anschließend wird der Stall besichtigt, und am Ende geht’s noch in den Shop, wo alle möglichen Alpakaprodukte erworben werden können. Bettdecken sind ebenso im Angebot wie Filzpatschen, Schuheinlagen oder auch Seifen (aus dem in der Wolle enthaltenen Keratin).

Geschoren werden die Alpakas immer im Frühjahr, drei bis fünf Kilo Wolle kommen da bei einem Tier zusammen. Scheren tut Alex selbst, zur Weiterverarbeitung bringt sie die Wolle dann in „Erika’s Wollwerkstatt“ nach Mürzhofen in der Steiermark.

Die elterliche Viehzucht hat inzwischen übrigens der Bruder übernommen. Für das schon länger geschlossene Dorfgasthaus – auch das haben die Eltern früher betrieben – interessiert sich die Schwägerin. Sieht so aus, als ginge ohne die Familie Sabath in Josefsberg einfach nichts. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie wieder einen Skilift hinbauen.

Die Frau, die aus dem „Skistadl“ von Josefsberg eine Alpaka-Ranch gemacht hat.

Raus aus der Stadt.
Bin am Berg.